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Blähungen, Völlegefühl & Co. : Wenn der Bauch ständig Luft hat

  • Autorenbild: Dr. med. Julia Pilz, MD (ECFMG)
    Dr. med. Julia Pilz, MD (ECFMG)
  • vor 4 Tagen
  • 3 Min. Lesezeit

Blähungen und Völlegefühl gehören zu den häufigsten Beschwerden im Magen-Darm-Bereich. Viele Betroffene berichten von einem aufgeblähten Bauch, Druckgefühl, häufigem Aufstossen oder vermehrten Darmgasen – oft unabhängig davon, wie viel sie gegessen haben.


In den meisten Fällen sind Blähungen harmlos und funktionell bedingt. Dennoch können sie die Lebensqualität deutlich einschränken und sollten ernst genommen werden, insbesondere wenn sie regelmässig auftreten oder neu hinzukommen.

Dieser Beitrag erklärt, wann Blähungen normal sind, welche Ursachen dahinterstecken können, wie Ernährung eine Rolle spielt und wann eine ärztliche Abklärung sinnvoll ist.


Winter, Verdauung


Blähungen – was ist normal und was nicht?

Dass sich im Darm Gase bilden, ist völlig normal. Sie entstehen durch:

  • Verdauungsprozesse

  • bakterielle Zersetzung von Nahrungsbestandteilen

  • geschluckte Luft beim Essen oder Trinken

Problematisch wird es, wenn:

  • Blähungen schmerzhaft sind

  • der Bauch stark gespannt wirkt

  • Beschwerden regelmässig oder zunehmend auftreten

  • sie mit weiteren Symptomen kombiniert sind

Dann spricht man nicht mehr von einer harmlosen Befindlichkeitsstörung, sondern von einem abklärungsbedürftigen Verdauungsproblem.


Häufige Ursachen für Blähungen und Völlegefühl

Blähungen können viele Gründe haben – oft wirken mehrere Faktoren zusammen.

Der Darm selbst hat keine Schmerzrezeptoren. Im Fall einer unnatürlichen Ansammlung von Luft werden aber sogenannte Dehnungsrezeptoren aktiviert und melden einen Krampf-/ Schmerzreiz ans Gehirn, welcher dann in der Empfindung von Schmerzen und Unwohlsein mündet. In der Vergangenheit hat man unterschieden zwischen funktionellen Ursachen (wie Wahrnehmung), ernährungsbedingten Ursachen (wie Gasproduktion bei Vergärung durch Bakterien) und Schnelligkeit des Nahrungstransportes im Darm.

 

Mittlerweile existiert eine Vielzahl von Daten, welche in Zusammenspiel mit der Darm-Hirn-Achse Beschwerden verursachen kann.

 

Unspezifische Begriffe wie z. B. Reizdarm benutzen wir nur noch selten und versuchen vielmehr, individuell und multifaktoriell dem Menschen und seinen Beschwerden gerecht zu werden sowie therapierbare Ursachen zu finden.

  

Beispiele für gebrauchte Begriffe:

 

Funktionelle Ursachen

Bei Reizdarm oder empfindlichem Darm reagiert das Verdauungssystem überempfindlich auf normale Reize. Gasansammlungen werden stärker wahrgenommen und als schmerzhaft empfunden.

Ernährungsbedingte Ursachen

Bestimmte Kohlenhydrate werden im Dünndarm schlecht aufgenommen und gelangen in den Dickdarm, wo sie von Bakterien vergoren werden. Dabei entstehen Gase, die Blähungen verursachen können.

Langsamer oder schneller Darm

Eine veränderte Darmbewegung kann dazu führen, dass Gase schlechter abtransportiert werden oder sich ungleichmässig verteilen.


Ernährung & Blähungen – was steckt hinter FODMAP?

Ein wichtiger Begriff bei Blähungen ist FODMAP. Dabei handelt es sich um bestimmte kurzkettige Kohlenhydrate (Zucker wie z.B. Fruktose und Zuckeralkohole wie z. B. Maltit), die im Darm schlecht verdaut werden.

Typische FODMAP-reiche Lebensmittel sind unter anderem:

  • bestimmte Früchte

  • Zwiebeln

  • Hülsenfrüchte

  • Weizenprodukte

  • Milchprodukte mit Laktose

Das bedeutet nicht, dass diese Lebensmittel grundsätzlich ungesund sind. Bei empfindlichen Menschen können sie jedoch vermehrt Blähungen und Völlegefühl auslösen.

Eine zeitlich begrenzte, individuell angepasste Reduktion kann helfen, Symptome zu lindern – idealerweise begleitet durch Fachpersonen.


Essverhalten – oft unterschätzt

Nicht nur was gegessen wird, sondern auch wie:

  • hastiges Essen

  • grosse Portionen

  • unregelmässige Mahlzeiten

  • Essen unter Stress

Diese Faktoren begünstigen Luftschlucken und eine gestörte Verdauung.

Ein ruhiger Essrhythmus, gründliches Kauen und kleinere Portionen entlasten den Darm oft deutlich.


Wann sollten Blähungen ärztlich abgeklärt werden?

Eine medizinische Abklärung ist wichtig bei:

 ⚠ neu auftretenden Beschwerden

 ⚠ nächtlichen Symptomen

 ⚠ Blut im Stuhl

 ⚠ ungewolltem Gewichtsverlust

 ⚠ anhaltenden Beschwerden über mehrere Wochen

Blähungen sind meist harmlos – können aber in seltenen Fällen auch auf Unverträglichkeiten, Entzündungen oder andere Erkrankungen hinweisen.



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Sind Blähungen gefährlich?

In den meisten Fällen sind Blähungen harmlos. Sie können jedoch sehr belastend sein. Gefährlich werden sie nur selten – vor allem dann, wenn zusätzliche Warnzeichen auftreten.

Warum habe ich trotz wenig Essen einen aufgeblähten Bauch?

Oft liegt dies an einer veränderten Darmbewegung oder einer Überempfindlichkeit des Darms. Bestimmte Kohlenhydrate (z. B. FODMAPs) können bereits in kleinen Mengen Beschwerden auslösen, wie auch eine Dysbalance der Darmbakterien oder bakterielle Fehlbesiedlung des Dünndarms (siehe Blog https://www.magendarmschweiz.ch/post/reizdarm-2-0-fragen-und-antworten

vom 16. Juli 2021, MagendarmschweizBlähungen & Völlegefühl – Ursachen erkennen & Tipps vom 11.Mai 2025 und MagendarmschweizBlähungen – Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten vom 13.Mai 2024)

Hilft eine FODMAP-arme Ernährung bei Blähungen?

Bei einem Teil der Betroffenen ja. Diese Ernährung funktioniert jedoch über das Konzept der Substratreduktion (man hungert die Bakterien aus, indem sie weniger «Nahrung» bekommen und dann weniger Gase bilden. Die FODMAP-arme Ernährung ist einseitig und meist nicht überlängere Zeit durchführbar. Wichtig ist, diese nicht dauerhaft und nicht ohne fachliche Begleitung durchzuführen. Im Falle einer fehlenden Nachhaltigkeit der Besserung der Symptome empfehlen wir z. B. die Suche nach einer Fehlbesiedlung des Dünndarms, Nahrungsmittelunverträglichkeit oder Dysbalance des intestinalen Mikrobioms.

Wann sollte ich mit Blähungen zum Arzt?

Bei Blut im Stuhl, nächtlichen Beschwerden, Gewichtsverlust oder anhaltenden Symptomen über mehrere Wochen.



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